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Unter dem Begriff "biogene oder nachwachsende Rohstoffe" werden eine Vielzahl von land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen zusammengefasst, die in spezifischen Verarbeitungsverfahren aus pflanzlichen und tierischen Aufkommen aufbereitet und in stofflichen oder energetischen Einsatzfeldern ihren Absatz finden. Neben den pflanzlichen Rohstoffen und tierischen Produkten gelten, auch international gebräuchlich, organische Abfallstoffe, maritime Rohstoffe und Rohstoffe aus mirkrobieller Produktion im weitesten Sinne als biogene Rohstoffe. Wald - Erholungsraum und Rohstoffquelle
Sonnenblume Agrarrohstoffe, auf Feldern und in Wäldern gewachsenes organisches Material, sind neben der Nahrungsmittelerzeugung schon immer auch als Industrierohstoffe genutzt worden, z. B. Holz in der Bau- und Möbelindustrie, Flachs und Hanf für Textilfasern, Pflanzenöle für Lacke und Farben, Pflanzeninhaltsstoffe für Pharmaka und Kosmetika u. a. Mit der verstärkten Nutzung der fossilen Rohstoffvorkommen Kohle, Erdöl und Erdgas im 19. und 20. Jahrhundert geriet diese Rohstoffbasis teilweise in Vergessenheit.
Grundlage der "Regenerierbarkeit" dieser Rohstoffe ist die Fähigkeit der Pflanzen, mit der Photosynthesereaktion aus Wasser und CO2 unter Nutzung von Sonnenenergie organische Substanz aufzubauen.

Nur ein äußerst kleiner Anteil (etwa 1 %) der auf der Erde vorhandenen organischen Substanz, d. h. ca. 1844*109 t werden gegenwärtig von den Menschen genutzt. Die Synthesevorleistungen der Natur bilden ein großes stoffliches und energetisches Potential, aus dem sich eine ergänzende und alternative Rohstoffgrundlage zu den endlichen fossilen Rohstoffvorkommen der Erde entwickeln lässt.
Echinancea
Hanf Primär- und Sekundärstoffwechsel der Pflanzen erzeugen eine ungeheure stoffliche Vielfalt. Durch die in den letzten Jahrzehnten entwickelten modernen Analysentechniken sind Untersuchungen über den strukturellen Aufbau, über die stoffliche Zusammensetzung und deren Verteilung in pflanzlichen und tierischen Materialien möglich geworden und die wissenschaftlichen Kenntnisse darüber immens gewachsen.

Die traditionelle Nutzung biogener, nachwachsender Rohstoffe beruhte meist auf empirischen Erfahrungen. Heute kann dieses Wissen wesentlich gezielter und umfangreicher genutzt werden; es ermöglicht auch insbesondere bei Anwendung von neuen Technologien, wie z. B. Gentechnik und Biotechnologie, die Entwicklung, Verarbeitung, Veredlung und Umwandlung von biogenen Rohstoffen auf einer höheren Ebene und mit wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit.
Riesige, bisher noch wenig genutzte Rohstoffpotentiale sind in maritimen Bereichen noch zu erschließen: Proteine, Öle und Fette, Stärkeverbindungen, auch Wirkstoffe für die Pharmazie und Kosmetik u. a. können aus den Weltmeeren und Binnengewässern gewonnen und als Industrierohstoffe genutzt werden. Über die Zahl der hier vorkommenden Arten, größtenteils noch unentdeckt, gibt es derzeitig nur variable Schätzungen: bis 3 Mio. Bakterien, bis 10 Mio. Algenarten und bis zu 500 Mio. Tierarten der Meio- und Makrofauna. Die vielfältigen Möglichkeiten der Rohstoffgewinnung mittels Gentechnik und mikrobieller Produzenten, wie Algen, Pilzen, Bakterien oder Viren, werden in Zukunft auch für Industrierohstoffe noch mehr an Bedeutung gewinnen. Schafe - lebende Wolle
Bakterien Die drohende Erschöpfung der fossilen Rohstoffvorräte wird derzeitig weltweit diskutiert. Der schonende Umgang mit diesen Ressourcen wird immer dringlicher, damit auch zukünftigen Generationen die Nutzung dieser Rohstoffbasis auf der Erde so lange wie möglich erhalten bleibt.

Neue Chancen und Möglichkeiten, aber auch Risiken eröffnen sich für die aus biogenen Stoffkreisläufen entstehenden Rohstoffe. Es ergeben sich dabei eine Vielzahl von neuen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Handlungs- und Wirkungsfeldern. Die Forderung zur "Nachhaltigkeit" in der Wissenschafts- und Wirtschaftsentwicklung bedingt aber auch ein verantwortungsbewusstes Umgehen mit dieser Rohstoffbasis.